Handwerksbetriebe in Nordwestmecklenburg schlagen Alarm: Materialpreise gehen durch die Decke

Verhältnisse wie zu DDR-Zeiten nennt Kreishandwerkermeister Detlef Kohrt die aktuelle Entwicklung auf dem Materialmarkt. Die Preise haben extrem angezogen, einige Rohstoffe und Materialen sind kaum noch zu bekommen. Der Grund sind die Pandemie und die Einschränkungen beim Import. Hinzu kommt die ständig wachsende Flut an Verordnungen und Auflagen.

Grevesmühlen/Wismar

Die Auftragsbücher sind voll, die Handwerksbetriebe haben zumindest aus wirtschaftlicher Sicht die Pandemie bislang gut überstanden, doch nun kommt ein anderes Problem auf die kleinen und mittelständischen Unternehmen zu, beziehungsweise mehrere Probleme. Die Flut an Verordnungen, Bestimmungen und Gesetzesänderungen stellt die Handwerksbetriebe vor extrem große Hürden. „Es ist schon bemerkenswert, mit welcher Geschwindigkeit neue Vorgaben erlassen werden. Wo man als Privatperson bereits Schwierigkeiten hat, klar zu sagen, welche Beschränkungen nun im eigenen Landkreis gelten, da ist es als Handwerksbetrieb und Arbeitgeber umso schwieriger“, berichtet Kreishandwerksmeister Detlef Kohrt. „Die Vorgaben an die Arbeitgeber ändern sich beinahe wöchentlich“, ergänzt der kommissarische Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Ulf Gudacker. „Von Testungen der Mitarbeiter und Kunden inklusive der Dokumentationen, Maskenpflicht, Homeoffice-Pflicht und vielen weitere Arbeitsschutzvorgaben. Am Ende des Tages muss selbst ich fest durchatmen und resümieren, um nicht den Überblick zu verlieren.“

Corona-Tests in den Firmen mehrmals pro Woche

Und genau diese Informationsflut ist es, die es dem Handwerk aktuell von Tag zu Tag schwieriger macht. „Das Handwerk ist sich seiner Verantwortung sehr bewusst“, so Detlef Kohrt, „denn viele Betriebe bieten ihren Mitarbeitern bereits freiwillig seit einigen Wochen die Möglichkeit für Selbsttestungen an. Doch der Staat möchte nun, dass sich alle 83 Millionen Bundesbürger wöchentlich mehrmals testen lassen, und für die über 40 Millionen Arbeitnehmer müssen das die Arbeitgeber bezahlen. Das ist nicht hinnehmbar.“

Material wird Mangelware

Doch nicht nur die behördlichen Einschränkungen sind es, die es dem Handwerk momentan so schwer machen. Auch die Versorgungssituation mit Materialien wird inzwischen immer besorgniserregender. „Teilweise nimmt es bereits Züge an wie vor dem Mauerfall“, erklärt Detlef Kohrt. „Bestimmte Materialien wie Dämmstoffe, Holz aber auch Stahl und Halbzeuge werden inzwischen wieder zur sogenannten Bückware. Die ersten Handwerksbetriebe sehen sich inzwischen außerstande, die Aufträge überhaupt realisieren zu können.“

Kosten zwingen die Betriebe in die Knie

Ulf Gudacker kann dies aus beinahe allen Innungen und Gewerken bestätigen: „Die Materialpreise sind bereits exorbitant gestiegen, doch inzwischen sind bestimmte Materialen überhaupt nicht mehr zu bekommen. Erste Betriebe laufen bereits Gefahr, Kurzarbeit anmelden zu müssen – trotz prall gefüllter Auftragsbücher.“ Diese insgesamt besorgniserregenden Entwicklungen lassen die Handwerksbetriebe der Innungen noch enger zusammenrücken. Und auch die Gesellenprüfungen werden trotz erschwerter Bedingungen weiterhin für alle Lehrlinge abgenommen von den Handwerksmeistern aus den Innungen. Kreishandwerksmeister Detlef Kohrt appelliert daher an die Politik: „Lasst uns nicht allein mit den Kosten. Die aktuellen Belastungen zwingen auch uns irgendwann in die Knie. Kostenlose Selbsttest wie für Schulen und Kindergärten sollten auch für die klein- und mittelständischen Handwerksbetriebe bereitgestellt werden!“

Von Michael Prochnow

Quelle: https://www.ostsee-zeitung.de/Mecklenburg/Grevesmuehlen/Nordwestmecklenburg-Handwerksbetriebe-schlagen-Alarm-wegen-hoher-Preise

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